Wochenrückblick Weekly 38

Diese Woche war einzigartig und interessant. Die mögliche Zins-Wende in den USA schwebte über Allem. Die Tage vor der Entscheidung waren ruhig wie lange nicht mehr. Kaum Volatilität und kaum Kursbewegungen. In den USA lag das Volumen an den Börsen bis zu 20% unter dem Durchschnitt der letzten drei Monate. Es glich der Ruhe vor dem Sturm. Besonders Donnerstag kurz vor 20 Uhr war es quasi leise geworden. Keine Postings, Blogs, Kommentare, Beiträge, Chats oder andere kommunikative Mittel wurden genutzt. Alle verharrten gespannt. Es war teils eine gespenstige Stille. Jeder hielt die Luft an.

Und dann um 20 Uhr wurde die Zins-Wende bekannt gegeben. Und wir alle waren Teil des Erlebnisses, welches die Welt bewegte. Punkt 20 Uhr brachen Facebook und andere Dienste zusammen als Millionen Nutzer gleichzeitig wieder auf die Plattformen zugriffen. Erst um 20.10 Uhr war die einwandfreie Kommunikation wieder möglich.

 Top-Thema der Woche

Zinserhöhung Ja oder Nein? Das war in dieser Woche an den Finanzmärkten und von Interesse für jeden Börsianer weltweit. Die Welt titelte unter der Woche sogar „ die wichtigsten 0,25% aller Zeiten“.Was von diesem Event bleibt? Nicht viel! Das FED hat es bei Leitzinsen von 0-0,25% belassen. Eine Entscheidung die weitestgehend erwartet worden ist. Der Schock ist somit ausgeblieben. Allerdings hatte man schon damit gerechnet, dass das FED sich festlegt bzw. eindeutige Aussagen dazu macht wann man denn mit einer Zinserhöhung rechnen könne. Eben diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Janet Yellen wird ihrem Ruf gerecht äußert vorsichtig zu agieren. Daher blieb es bei Äußerungen wie „man wolle abwarten wie sich die Problematik um Chinas Wachstum entwickelt“, „man wolle warten bis der stabile Arbeitsmarkt sich auf die Inflation auswirkt und die amerikanische Wirtschaft auf einem stabileren Fundament steht“. Klare Aussagen oder gar ein Zeitpunkt? Fehlanzeige!

Die Reaktion der Börse war zaghaft und unsicher. Dies sollte sich auch in die nächste Woche oder Wochen transportieren. Zuerst stiegen die Kurse. Langsam aber beständig. Die Anleger sahen an sich den positiven Weg, dass die Börse ungemein stark durch niedrige Zinsen profitiert. Doch bereits am Freitag wurde allen etwas anderes klar: Wenn die Zinsen in den USA trotz recht stabiler wirtschaftlicher Lage nicht steigt und die USA sich vor Allem um den globalen Handel/Markt nun sorgt, dann scheint doch irgendwas im Argen zu sein? Der DAX brach zum Freitag über 3% auf unter 10.000 Punkte ein. Die Anleger wurden weiter verunsichert. Die Bullen haben sozusagen weiterhin die Windeln voll. Die Gemeinschaft des Parketts vermutet eine schwierige wirtschaftliche Zukunft und die FED hat dies durch ihre Entscheidung weiter unterstützt.

Die offizielle Erklärung der FED bezüglich der Zins-Entscheidung findet ihr hier. Fazit: Die Unsicherheit bleibt und die Aktienmärkte hassen nichts mehr als Unsicherheit!

Was in der Woche außerdem passiert ist

Vor Allem die Versorger sorgten in dieser Woche für Jubel-Stimmung und tränenreiche Phasen. Beispielsweise RWE. Am Dienstag fiel der Kurs bis 11 Uhr um 11% von 11,80€ auf 10,50€, um zum Handelsstart am Mittwoch erneut bei 11,60€ zu stehen. Doch diese Höhe konnte nur die ersten 15 Minuten des Mittwochs gehalten werden. Bereits um 9.15 Uhr brach der Kurs erneut ein. Diesmal um 7,7% auf 10,70€. Trotz des eifrigen Hin und Her am Dienstag und Mittwoch mit extremer Volatilität war dies noch nicht durchstanden. Nachdem eine Sprecherin bestätigt hatte, dass der Konzern mit einem arabischen Investor spricht stiegen viele Anleger ein und anderen verkauften ihre Anteile. So entstand das Kurs-Beben. Am Donnerstag ging es dann ab 11 Uhr wieder los. Von 10,70€ ging es innerhalb von drei Stunden auf 12€ hoch. 12% sind das. Erneut ein Extremum und der höchste Wert der Woche. Trotz der Hochs und Tiefs konnte RWE seine Kurs-Höhe zum Freitag nicht halten. Viele Anleger nutzen die 12% Kursanstieg des Vortages zum Ausstieg. Bis zum Handelsschluss ging es wieder um 12,4% runter auf 10,95€ zum Ende hin.Die deutschen Versorger waren in dieser Woche mehrfach die besten des Tages im DAX, aber auch die schlechtesten Werte. Es gab bei RWE und EoN beinahe nur Extreme über 5% Kursbewegung am Tag.

Am Freitag folgte dann noch der berüchtigte Hexensabbat, auch großer Verfallstag genannt.

Die Gewinner & Verlierer des DAX dieser Woche

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Eigentlich wäre eine positive Kursentwicklung bei den Aktienindizes um DAX, SP500 und Co. Logisch gewesen. Diese blieb am Freitag zunächst aus. Wie gesagt, nichts hassen die Aktienmärkte mehr als Unsicherheit und Unsicherheitsfaktoren gibt es genug -> wie entwickelt sich die Inflation? Wird das FED in diesem Jahr noch die Zinsen erhöhen und wie entwickelt sich das Reich der Mitte?

Alles Fragen die am Wochenende bei den Großen der Finanzmärkte besprochen werden. Von daher gibt es noch keinen Grund allwissend zu sein. Warten wir ab welche Richtung nach dem Wochenende von den Märkten eingeschlagen wird und dann schauen wir weiter. Fakt ist zunächst, dass es heute nach unten ging. An einem Freitag wie diesen kann das viele, nicht zwingend nachhaltige Gründe haben.

Werfen wir einen Blick auf die Charts:

Der DAX:

DAX30M15

Der nachbörsliche Handel am Donnerstag war entsprechend von volatilen Bewegungen geprägt. Zunächst ging es hoch, dann wieder abwärts und zum Schluss waren wir ungefähr am Ausgangspunkt angekommen. Viel Lärm um nicht! Spontane Partys bleiben halt die besten 😉 da nützt auch die wochenlange Planung nichts :)

Am Freitag ging es dann, wie oben bereits angesprochen kontinuierlich abwärts. Allerdings war der Markt so freundlich an einer wichtigen Unterstützungszone (9.885 Punkte) zunächst an Dynamik zu verlieren. Somit notieren wir zum Wochenschluss oberhalb dieser wichtigen Unterstützung. Also warten wir ab wie es Montag weiter geht. Sollten wir allerdings Montag nachhaltig unter dieses Unterstützungsniveau fallen, wären weitere Abgaben wahrscheinlich.

Der SP500:

SP500H4

Der SP500 tut uns diesen Gefallen nicht. Dieser sorgte im Vergleich zum DAX doch für das ein oder andere gefährliche Kursmuster. Zunächst wurde der Widerstandsbereich um 1995 Punkte bullisch aufgelöst. Dieser Ausbruch erwies sich allerdings als klassische Bullenfalle. Ein Fehlausbruch. Was danach folgte war ebenfalls ein klassischer Fall -> „Nach Falsch kommt schnell“.

Wer den Ausbruch handelt greift zunächst zu. Die Nachfrage steigt. Doch dann kommen große Verkäufe in den Markt und die Richtung dreht. Alle Marktteilnehmer die vorher Long eingestiegen sind, werden auf dem falschen Fuß erwischt und sind gezwungen ihre Positionen zu drehen -> die Abwärtsdynamik wird dadurch noch verstärkt. Dies führte sogar dazu, dass die verlaufende Aufwärtstrendlinie der Korrektur (dunkelgrün) im späten Handel noch nach unten durchbrochen worden ist.

Nach unten bieten sich zwar viele Unterstützungsniveaus aber eine gefährliche Situation sehen wir hier trotzdem.

Trotz allem müssen wir abwarten ob dies auch am Montag noch Bestand hat. Man bedenke, viele Marktteilnehmer waren bisher aufgrund der Unsicherheit der letzten beiden Tage nicht positioniert und greifen erst nach dem Wochenende ins Geschehen ein. Hier kann sich dann nochmal etwas tun.

EUR/USD:

EURUSDH4

Aufgrund der Ereignisse schauen wir natürlich nochmal auf das Währungspaar EUR/USD.

Auf die Trendlinie und die mögliche Shortchance aufgrund des Pullbacks hatte ich im letzten Weekly-Briefing hingewiesen. Dieses Szenario ging zum Teil auch auf. Nach erreichen der Trendlinie korrigierte das Währungspaar um 150 Pips um dann im Rahmen des Zinsentscheids wieder bis zur Trendlinie anzusteigen. Von dort prallte der Kurs erneut bearisch ab. Diese Trendlinie ist jetzt bereits mehrfach bestätigt worden und bietet immer wieder einen verlässlichen Widerstandsbereich. Man sollte diese also weiterhin im Auge behalten.

Beim EUR/USD wird wichtig sein wie die EZB auf den Zinsentscheid des FED reagiert. Im Vorfeld hatte Super-Mario bereits klar gemacht das Engagement der EZB auszuweiten sofern dies nötig sei. Ob dies jetzt nötig ist? Auch hier gilt warten wir es ab.

Fazit: Was von der Woche bleibt? Sie haben es bereits mehrfach gelesen. Unsicherheit, Unsicherheit und? Na klar Unsicherheit. Und jetzt fragen Sie sich selber, kaufen Sie in den Zeiten in denen Unsicherheit über die Zukunft herrscht? Wahrscheinlich nicht und deshalb neigen die Märkte in unsicheren Zeiten dazu zu fallen und nicht zu steigen. Aber warten wir es ab 😉

Zum Abschluss noch ein Link zu einem Artikel im Vorfeld der Zinsentscheidung und zwei Grafiken zur Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den nächsten Monaten.

http://www.mr-market.de/das-grosse-warten-auf-die-fed/ 

Wahrscheinlichkeit Zinserhöhung Zeitpunkt implizierte Wahrscheinlichkeit Zinserhöhung


Wir hoffen Euch mit dem aktuellen Rückblick ideal über die Geschehnisse informiert zu haben und euch wichtige Information zusammengestellt zu haben. Morgen veröffentlichen wir den Ausblick auf die kommende Woche in unserem neuen Download-Bereich :)

Mit freundlichsten Grüßen wünschen Euch ein schönes Wochenende,

Benedikt Wachsmann & Jonas Höfgen

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