Royal Dutch Shell – Breite Aufstellung als Anker?

Als erstes soll heute eine Aktie aus der Ölbranche vorgestellt werden. Es geht um den niederländischen Öl- und Erdgasproduzenten Royal Dutch Shell. Die Tankstellen sollten jedem zumindest bekannt sein. DieAktie_Shell

Den Formel 1-Fans unter uns wird sicherlich auch die Zusammenarbeit mit Ferrari zumindest noch im Hinterkopf sein.

Das Unternehmen mit Sitz im niederländischen Den Haag war im Juli 2012 am Umsatz gemessen das größte Unternehmen weltweit. Weltweit werden ca. 92. Mio. Mitarbeiter beschäftigt. Zudem ist man in mehr als 140 Ländern auf der Welt aktiv.

 

Breite Aufstellung des Konzerns:

Neben der Förderung von Öl verfügt Shell über ein starkes Standbein im Raffinerie- und Tankstellengeschäft. In diesem Bereich wird trotz des aktuell sehr niedrigen Ölpreises sehr profitabel gearbeitet.

Insgesamt ist Shell mit fünf Geschäftsbereichen vertreten:

  • Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas
  • Verarbeitung und Vertrieb von Erdöl
  • Transport und Marketing von Erdgas und Strom
  • Petrochemie
  • erneuerbare Energien

Unter Petrochemie versteht man die Herstellung von verschiedenen chemischen Produkten aus bestimmten Teilen des Erdöls und Erdgas. Inwieweit diese chemischen Produkte dann weiterverarbeitet werden ergibt sich aus der folgenden Abbildung:

petrochemie

Dass Shell darüber hinaus im Bereich der erneuerbaren Energien engagiert ist zeigt, dass sich das Unternehmen nicht auf den Fortbestand der aktuellen Gegebenheiten verlässt sondern versucht auch Geschäftsfelder der Zukunft zu erschließen. Anpassung ist hier das große Stichwort und ein wichtiger Punkt wenn man sich langfristig an einem Unternehmen beteiligen möchte.

Trotz geringerer Rohölförderung hoher Umsatz

In der folgenden Grafik sehen wir die Staaten und Firmen als Ölproduzenten im Vergleich. Dabei sehen wir, dass Shell im vergleich zur direkten Konkurrenz weniger Barrel pro Tag gefördert hat. Hier liegt ExxonMobil mit 2.201 (in 1.000 Barrel pro Tag) vorne. Shell kommt hier lediglich 1.396.

ölproduktionJetzt schauen wir nochmal auf den Umsatzvergleich:

Umsatzvergleich_ShellQuelle: Guidants

Wir sehen, dass Shell im Vergleich zur Konkurrenz der umsatzstärkste Titel ist. Wenn man die vergleichsweise geringe Förderung bedenkt, ein weiterer Punkt der für eine breite Aufstellung der Geschäftsfelder spricht und eine geringe Abhängigkeit vom Ölpreis signalisiert.

Um die breite Aufstellung nochmal zu verdeutlichen schauen wir abschließend auf die Produktionskette. Diese Grafik ist aus dem Geschäftsbericht 2013 der Royal Dutch Shell und gliedert auf wo Shell in der Produktionskette überall vertreten ist:

shell_TätigkeitQuelle: Geschäftsbericht 2013 Royal Dutch Shell

Fassen wir diesen Punkt nochmal abschließend zusammen.

Shell ist ein breit aufgestelltes Unternehmen. Wenn ich jetzt auf eine regelmäßige und hohe Dividende abziele, sollte ein solides Geschäftsfeld vorhanden sein. Ein Geschäftsfeld, welches mir auch bei Störfeuern von außen (hier bspw. Ölpreisverfall) konstante Profite bringt. Dies ist bei Shell mit Sicherheit gegeben. Ob sich dies auch in den Bilanz- und Gewinnkennzahlen bemerkbar macht sehen wir anhand der folgenden Zahlen:

bewertung peergroupBewertung:

Die Aktie von Shell kann derzeit ein KGV von 8,58 aufweisen. Hier ist aber zu beachten, dass der Energiesektor generell ein relativ günstiges KGV ausweist. Dies wird deutlich wenn wir uns das ø KGV der letzten 5 Jahren anschauen. Dies liegt bei Shell bei 10,7 und über dem aktuellen KGV. Historisch gesehen ist die Aktie also günstig bewertet. Im Peergroup-Vergleich ist Shell ebenfalls günstig bewertet und liegt deutlich unter dem durchschnittlichen KGV von 16,12.

Die Dividendenrendite von Shell liegt mit 9,88% ebenfalls deutlich besser als der Branchendurchschnitt. Wichtig ist dabei, dass die Dividende je Aktie auch für 2015 bei 1,88 gehalten werden soll. Insoweit herrscht hier Planungssicherheit. Das Payout-Ratio (Wie viel % des Gewinns werden als Dividende ausgezahlt) ist mit 80% relativ hoch. In Anbetracht der Tatsache, dass Investitionen aufgrund des niedrigen Ölpreises derzeit gekürzt (siehe Stopp Arktisbohrungen) erscheint ein hohes Payout-Ratio durchaus logisch um Anleger weiter an das Unternehmen und die Aktie zu binden. Dennoch sollte man bei andauernden niedrigen Ölpreisen einkalkulieren, dass die Dividende auch gekürzt werden könnte.

Kapitalstruktur / Profitabilität / Wachstum:

Bei der Kapitalstruktur steht Shell ebenfalls ordentlich dar. Beim Verschuldungsgrad steht Shell etwas besser als der Branchenschnitt dar. Allerdings sind hier Exxon Mobil und Chevron noch besser aufgestellt.

Selbiges gilt für die Profitabilität. Hier steht Shell sogar schlechter dar als die anderen Größen der Branche. Shell brauch daher auch einen hohen Umsatz um die Gewinne und somit die Dividende entsprechend stabil zu halten. Beim Wachstum steht Shell ebenfalls stabil da. Der ø-3 Jahres-Umsatz ist zwar leicht rückläufig, dies trifft allerdings die gesamte Branche. Der 5-Jahres-Gewinn kann allerdings noch im positiven Bereich gehalten werden und ist mit einer Steigerung 10,57% leicht besser als der Branchenwert. Auf Sicht von 3 Jahren sieht das allerdings anders aus. Hier steht für Shell ein Gewinnrückgang von ø 20% zu Buche. Eine Entwicklung die allerdings die gesamt Branche trifft.

Gleichwohl sollte man die Entwicklung im Auge behalten und nicht blind darauf vertrauen, dass die Dividende fleißig weiter über 5% gezahlt wird. Am hohen Payout-Ratio sehen wir, dass auch nicht viel Puffer besteht. Sollte der Gewinn weiter zurückgehen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Dividende etwas schmaler ausfallen. Mit über 6% ist aktuell aber auch ein ziemlich gutes Niveau erreicht.

Der Chart:

chart-09012016-1234-Royal Dutch Shell

Die Shell-Aktie befindet sich wie die derzeitigen Rohstoffpreise im Sinkflug. Aus charttechnischer Sicht, lassen sich daher auch schwerlich belastbare Aussagen treffen, da die Aktie eine hohe Abhängigkeit zum Ölpreis aufweist. Der Ölpreis ist zudem aktuell stark politisch getrieben.

Es lässt sich lediglich festhalten, dass die Aktie sich sehr weit von der Abwärtstrendlinie entfernt hat. Daher besteht durchaus die Möglichkeit für eine technische Gegenbewegung. Das Tief aus 2009 bei ca. 16,25 EUR stellt mittelfristig aber ein realistisches Ziel dar, sofern die Ölpreise noch weiter fallen sollten.

Der Performance-Vergleich:

performancevergleichQuelle. Guidants

Hier sehen wir das Shell, im Vergleich mit den anderen Aktien (auf die letzten 3 Jahre) bis zum Herbst des letzten Jahres noch eine relativ stabile Performance an den Tag gelegt hat. Zum Jahreswechsel kam die Aktie aber stärker unter Druck als die Peergroup. Im 3-Jahresvergleich hat lediglich BP eine schlechtere Performance aufzuweisen. Im Hinblick auf die guten fundamentalen Daten und die breite Aufstellung des Konzerns bieten sich hier unter Umständen gute Möglichkeiten.

Fazit:

Shell weist durch seine breite Aufstellung eine geringere Abhängigkeit vom Ölpreis auf als die Konkurrenz. Dadurch kann die positiv hervorstechende Dividende unter Umständen länger gehalten werden als der niedrige Ölpreis es hergibt. Historisch betrachtet ist die Aktie absolut günstig bewertet. Bei den historisch günstigen Ölpreisen und den damit verbundenen Kursrückgängen muss diese Bewertung aber zum Teil relativiert werden. Dennoch bietet das aktuelle Kursniveau ein verhältnismäßig günstige Einstiegsgelegenheit, da auf Sicht von mehreren Jahren ein Ölpreis unter 30,- USD nicht zu erwarten ist.


 

2 Kommentare

  1. Ein schöner Artikel :) meinst du Shell könnte die Dividende in zwei oder drei Jahren streichen oder zumindest kürzen, wenn der Ölpreis zwischen 30 und 50$ verbleibt?

    • Benedikt Wachsmann

      Wenn er dort verbleibt wird es sicherlich schwierig die Dividende in der Höhe aufrecht zu erhalten. Shell erhöht die Dividende seit Jahren konstant. Und starke Verluste bei Öl gab es auch in der Vergangenheit. Diese hielten sich allerdings nicht allzu lang. Also Zunächst kann Shell das überbrücken aber bei einem niedrigen Ölpreis über Jahre wird es irgendwann auch an die Dividende gehen. Die Dividendenrendite wird allerdings dadurch nicht geringer wenn der Aktienkurs ebenfalls auf dem aktuellen Niveau verbleibt.

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