Marktkommentar Januar 2016

Der Jahresanfang 2016 ist gemacht. Für die Bären sicherlich ein guter Jahresstart. Für Anleger, die auf steigende Kurse setzen, eher weniger.

Bis Donnerstag regierten noch die Crashpropheten und die Weltuntergangsszenarien. Seit der EZB-Pressekonferenz und Mario Draghi geht es wieder ein Stück aufwärts.

„Der Crash ist abgesagt“ habe ich heute bereits gelesen. Eine Aussage, die für die Situation nicht treffender sein könnte. Nicht für die Situation im DAX oder SP500, sondern für die mediale Berichterstattung und ihre Wankelmütigkeit. Gerade diese Wankelmütigkeit tut keinem Anleger und seinem Depot gut.

„Hin und Her macht Taschen leer“

Sicher eins der berühmtesten Börsenweisheiten und mindestens genauso treffend. Dabei ist nichts Unübliches im DAX passiert. Die Kursverläufe der letzten Wochen können als normale Entwicklung gesehen werden. Übergeordnete Kursschwankungen die man aushalten muss, sofern man an der Börse investieren möchte. Wir haben seit Jahresbeginn auf keinen Fall einen Crash gesehen. Das möchte ich nochmals betonen. Kein CRASH. Ein Crash sieht anders aus.

Um das zu verdeutlichen werfen wir einen Blick auf den folgenden Vergleich, Kursverlauf Heute, Eurokrise 2011 und Finanzkrise 2008. Dabei wird klar, dass bei einem Crash ganz andere Relationen vorliegen.

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Man erkennt, dass bei einem richtigen Crash noch ganz andere Relationen auf die Anleger warten.

Ob die aktuelle Kursschwäche als Korrektur oder Bärenmarkt durchgeht oder sich gar noch ein Crash entwickelt – das noch kein Crash vorliegt heißt nicht das wir keinen bekommen können – vermag ich nicht zu entscheiden. Je nachdem ob sie Bullen oder Bären fragen, werden sie auch ganz unterschiedliche Begründungen für einen Crash oder eine Rally bekommen. Beide Lager können am Ende richtig oder falsch liegen. Das liegt in der Natur der Sache. Aktuell stehen die Chancen also 50/50.

Der kluge Anleger muss sich jetzt die Frage stellen „ Reicht mir eine 50/50 Situation um mich für eine Seite zu entscheiden oder bereits meine ganzen Kohlen ins Feuer zu werfen?

Mir reicht 50/50 in diesem Fall nicht. Gerade wenn man sich die Großwetterlage im DAX vergegenwärtigt.

DAX30Daily

Aktuelle Marktsituation:

Seit seinem Allzeithoch bei 12.400 Punkten lässt sich beim DAX ein absteigendes Dreieck erkennen. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Fortsetzungsformation im Abwärtstrend. Beim DAX befanden wir uns vor dieser Formation allerdings in einem Aufwärtstrend. Dennoch hat diese Formation für die aktuelle Marktsituation eine gewisse Aussagekraft.

Der Boden bei 9.300 konnte zum Schluss der vergangenen Handelswoche erneut verteidigt werden (grünes Rechteck). Die Abwärtstrendlinie (hellblau) ist nach wie vor intakt und wurde bereits 4 Mal getestet. Hinzu kam ein kurzer Fehlausbruch über diese Abwärtstrendlinie. Dieser Ausbruch wurde allerdings zügig wieder abverkauft. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Trendlinie vom Markt anerkannt wird. Selbiges gilt für den dreifach getesteten Boden bei 9.300 Punkten.

Ausblick:

Zum Wochenausklang befinden wir uns innerhalb dieser Formation. Einen nachhaltigen Ausbruch haben wir weder nach oben, noch nach unten sehen können. Die Richtung ist daher weiter unklar und führt zu der oben beschriebenen 50/50 Situation. Eine nachhaltige Richtungsentscheidung haben wir weder zu Beginn der Woche (medialer Crashmodus) noch zum Ende der Woche (mediale Rally voraus) gesehen. Es besteht also kein Grund sich in der aktuellen Situation verrückt zu machen. Vielmehr empfiehlt es sich, in der aktuellen Situation Cash vorzuhalten um weitere Kursschwäche, ggf. auch unter 9.300 für günstige Einstiegskurse nutzen zu können.

Bevorzugt wird der Markt nochmal unter die Marke von 9.300 Punkten fallen. Aufgrund der fallenden Hochs innerhalb der Formation wäre dies ein logisches Szenario. Dies begründet sich aus der Annahme, dass den Marktteilnehmern auf dem Weg nach Norden immer früher die Kraft ausgeht und jeweils früher Gewinnmitnahmen einsetzen. Das führt zu der Annahme, dass die Kaufmotivation auf diesem Niveau mehr und mehr nachlässt und somit auch die Unterstützung am Boden bei 9.300 Punkten mit der Zeit nachlassen sollte.

Die Ausrichtung ist wegweisend

Bleibt die weltwirtschaftliche Situation stabil, können sich hier in Zukunft nochmals günstigere Einstiegskurse anbieten. Wird die Situation am Ölmarkt (Kreditkrise?) und das Wachstum in China zu einem nachhaltigen und weltwirtschaftlichen Problem, werden die Unternehmensgewinne weiter sinken. Das würde unterm Strich dazu führen, dass auch die Bewertungen am Aktienmarkt auf diesem Niveau zu teuer sind und weiter fallende Kurse in diesem Umfeld wären wahrscheinlich.

Diese Fragestellung kann aber nur die Zukunft klären, womit wir wieder bei der Glaskugel wären.

Meine Empfehlung in der aktuellen Marktlage ist eine defensive Ausrichtung. Auch wenn die Angst etwas zu verpassen gewöhnlich größer ist, als die Angst etwas zu verlieren. Sofern man diese Angst aushalten kann, hält man sich alle Türen offen und bleibt flexibel. Verschießt man bereits jetzt sein ganzes Pulver und entscheidet sich zu früh für eine Richtung, kann das Depot ganz schön unter Druck geraten. Solche Drucksituationen gilt es zu vermeiden, da man unter dem Druck der bereits entstandenen Verluste nicht die besten Entscheidungen trifft. Die Rationalität steht dann gerne mal Hinten an.

„Lieber ein Ende mit schrecken als ein Schrecken ohne Ende“

Dabei gelingt es Anlegern regelmäßig mit dem Verkauf den endgültigen Boden zu treffen und die Kurse ziehen wieder an. Hier setzt dann die maximale Frustration ein und erst dann verpasst man tatsächlich etwas. Dieser Gefahr sollte man sich nicht aussetzen. Nicht für eine 50/50 Entscheidung. Dann doch lieber das Casino.

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