Marktkommentar – Dezember 2015

Wir befinden uns in den letzten Zügen des Börsenjahres 2015 und der Dezember ist traditionell nochmal ein guter Börsenmonat. Insbesondere in der zweiten Dezemberhälfte ziehen die Kurse nochmal deutlich an und sorgen für positive Renditen zum Jahreswechsel. In der ersten Monatshälfte läuft es in der Regel etwas schlechter. Die beiden folgenden Grafiken veranschaulichen die Situation.

dezember dezember2

Die erste Monatshälfte ist jetzt fast vorbei und wir befinden uns in der letzten Woche vor Heiligabend. Eigentlich eher ein Umfeld für fallendes Volumen und weniger Aktivität an den Aktienmärkten. Dies ist allerdings nicht zu erwarten, da das FED in ihrer Sitzung am Mittwoch eine wichtige Entscheidung fällt: „Zinserhöhung, Ja oder Nein“. Eine Frage, die die Märkte schon seit einigen Wochen intensiv beschäftigt.

Daher soll die Zinserhöhung auch bereits zu 80% eingepreist sein. Inwieweit solche Statistiken zutreffen werden wir erst am Mittwoch sehen. Viel wichtiger wird neben der Entscheidung des FED aber die folgende Pressekonferenz mit Janet Yellen. Dass eine Zinserhöhung erfolgen wird, scheint mehr oder weniger wahrscheinlich. Die spannendere Frage ist viel Mehr, welche Planungen das FED darüber hinaus hat. Sollen weitere Zinserhöhungen folgen oder wird nach einer Zinserhöhung um 0,25% zunächst Balsam auf die Wunden geschmiert und klargestellt, dass mit einer weiteren Zinserhöhung zunächst nicht zu rechnen ist.

Die zweite Variante halte ich persönlich für angemessener. Natürlich spielen die Arbeitsmarktdaten und die Inflation eine wichtige Rolle, wenn es um die Frage einer Zinserhöhung geht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist allerdings der USD selbst. Beim globalen Race to the Bottom (Abwertung der eigenen Währung) welches durch die Notenbanken aktuell praktiziert wird, kann sich das FED nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Durch die Spekulationen über eine Zinserhöhung hat der USD schon unheimlich an Stärke gewonnen und ein noch stärkerer USD kann sicher nicht im Interesse des FED sein. Dies hätte weitere Risiken bei den Emerging Marktes und bei den Rohstoffpreisen zur Folge. Ferner würde der Export der USA stark unter einem weiter steigenden USD leiden. Das wären Konsequenzen, die das FED in Zukunft zu einem Schritt zurück zwingen könnten. Von daher ist mit ziemlicher Sicherheit Vorsicht und Zurückhaltung geboten und fehlende Zurückhaltung ist sicherlich etwas, dass man Janet Yellen nicht vorwerfen kann.

Wir sehen also, dass es am Mittwoch nicht nur um eine Zinserhöhung geht sondern, auch um eine richtungsweisende Entscheidung für verschiedene Assetklassen in verschiedenen Regionen. Daher ist es wichtig, sich nicht in kurzfristigen Bewegungen zu verirren sondern sich über das Große und Ganze zunächst im Klaren zu sein.

Dementsprechend wollen wir auch einen Blick auf die übergeordnete Situation bei SP500, DAX und dem Währungspaar EURUSD werfen.

__________________________________

SP500

Den Anfang macht die Wall-Street mit dem SP500:

Aktuell überwiegen bei den Aktienindizes die Risiken. Der SP500 befindet sich übergeordnet nach wie vor in einer andauernden Topbildung. Diese eventuelle Topbildung impliziert ein größeres Abwärtsrisiko und solange wir hier kein neues Allzeithoch sehen, schwebt dieses Szenario wie ein Damokles-Schwert über der Wall-Street. Weiteren Zündstoff bringt die Lage an den Rohstoff-, Hochzinsanleihe- und Kreditmärkten. Öl befindet sich nach wie vor im Sinkflug. Die Aussicht auf einen steigenden USD trägt hier sicher nicht zu einer Erholung bei.

Der Junkbondmarkt (Junkbonds = Hochzinsanleihen / Risikoanleihen) kam in den letzten Monaten ebenfalls stark unter Druck. Diese Tatsachen sind ein nicht unerhebliches Warnsignal, auch für die Aktienindizes. Wie die Rohstoffmärkte hatten sich die Hochzinsanleihemärkte in der Vergangenheit oftmals als Taktgeber für die Entwicklung von anderen Marktsegmenten erwiesen. Der Preisverfall wird bei einem Blick auf den Chart besonders deutlich:

3

Sollten also die Rohstoff- und Junk-Bond Märkte auch weiterhin als Taktgeber fungieren, sind die Aussichten für die Aktienindizes um SP500 und DAX nicht besonders erfreulich. Daher verwundert es aktuell nicht, dass die Indizes zunächst die Richtung nach Süden eingeschlagen haben und wir seit der EZB-Sitzung letzte Woche rückläufige Kursnotierungen sehen.

Dadurch hat sich auch die charttechnische Situation stark eingetrübt. Bleibt zu hoffen, dass sich die Vergangenheit wiederholt und die Indizes in der zweiten Dezemberhälfte wieder anziehen.

4

Aktuelle Situation:

Der nächste Anlauf auf das Allzeithoch versprach erneut kein Erfolg. Kurz vor dem Verlaufshoch im mittelfristigen Aufwärtstrend legte der SP500 wieder den Rückwärtsgang ein. Am heutigen Tag wurde sogar ein neues Tief (Tagestief 1.992) Punkte generiert. Durch dieses Tagestief, wurde das 50er Fibo-Retracement, der Aufwärtsbewegung (September bis Dezember), mustergültig getroffen.

Marktausblick:

Das rote Rechteck symbolisiert die übergeordnete Topbildung. Das Allzeithoch bei 2.136 Punkten muss zunächst überwunden werden, damit weiteres Aufwärtspotenzial generiert wird. Kurzfristige Unterstützung bietet das 50er Fibonacci-Retracement. Die hohe Schwankungsbreite innerhalb des Handelstages zeigt eine gewisse Uneinigkeit zwischen Käufern und Verkäufern (Doji-Candle). Somit besteht hier eine gute Möglichkeit für einen Rebound und zumindest eine kurzfristige Erholung, die zumindest bis Mittwoch anhalten sollte. Alternativ kommt es am morgigen Handelstag zu weiteren Verkäufen und weiter fallenden Kursnotierungen. Dann rückt zunächst die Marke bei 1.964 Punkten in den Fokus

Zusammenfassung und wichtige Handelsmarken:

5

______________________

DAX

Als nächstes einen Blick auf den DAX. Zunächst wieder die übergeordnete Situation und anschließend auf den kurzfristigen Verlauf:

6

Aktuelle Situation:

Der Ausbruch aus dem langfristigen Abwärtstrend konnte durch den DAX nicht nachhaltig bestätigt werden. Nachdem der DAX kurzfristig über der Abwärtstrendlinie notierte, ging es seit dem 1. Dezember wieder deutlich bergab. Dabei haben wir auch zwei wichtige Unterstützungsbereiche (blaue Rechtecke) nach unten durchbrochen. Die 200er Tages-EMA bei 10.676 Punkten konnte ebenfalls nicht gehalten werden.

Marktausblick:

Aufgrund der starken Abwärtsdynamik, mit der die wichtigen Unterstützungen nach unten gebrochen worden sind, scheint ein erneuter Test des Bodens bei 9.300 Punkten eine realistische Möglichkeit. Dort wird sich entscheiden ob der DAX weiter auf Talfahrt geht oder ein erneuter Angriff auf den Abwärtstrend erfolgen und der Boden nochmals bestätigt wird.

7

Zunächst sollte es aber auch beim DAX zu einer kurzen Zwischenerholung kommen. Das 61,8er Fibo-Retracement wurde punktgenau getroffen. Ein Pullback bis an das 50er-Retracement oder sogar bis an die 200er Tages-EMA liegt zumindest im Bereich des Möglichen. Dafür müsste allerdings zunächst weitere Stabilisierung einsetzen. Sehen wir diese Stabilisierung nicht, müssen wir uns auf Kurse bei 9.800 und 9.300 Punkten einstellen.

Zusammenfassung und wichtige Handelsmarken:

8

_________________________

EURUSD

Abschließend einen Blick auf das Währungspaar EURUSD:

9

Marktsituation:

Wir sehen, dass der Euro einen massiven Preisverfall hinter sich hat. Dieser Preisverfall fand zunächst bei der Marke von 1,045 ein Ende. Gleichzeitig hat der USD global massiv an Stärke gewonnen. Diese Entwicklung wurde oben bereits beschrieben. Seit dem Tief bei 1,045 befindet sich das Währungspaar EURUSD in einer Seitwärtsphase. Eine Bodenbildung auf diesem Kursniveau zeichnet sich insbesondere nach EZB-Sitzung ab. Nach dieser konnte der EUR im Vergleich zum USD wieder an Stärke gewinnen. Die Variante „Preisverfall“ ist somit zunächst bis zur FED-Sitzung am Mittwoch vom Tisch.

Ausblick:

Der FED-Sitzung kommt für die weitere Entwicklung eine massive Bedeutung zu. Sollten weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt werden, würde der USD wieder an Stärke gewinnen und der Boden bei 1,045 sollte getestet werden. Darunter sind weitere Abgaben bis zur Parität und darüber hinaus zu erwarten. Wird die FED es allerdings bei einer einmaligen Zinserhöhung belassen, sollte der USD weiter geschwächt werden und die Bildung eines Doppelbodens wird deutlich wahrscheinlicher. Ein weiterer Preisverfall wäre dann wohl zunächst vom Tisch, da davon auszugehen ist, dass der Markt durch den Preisverfall weitere Zinserhöhung bereits eingepreist hat. Diese Einpreisung sollte dann in den nächsten Wochen weiter zurückgehandelt werden.

Die wichtigsten Termine der kommenden Handelswoche

15.12. 09:15 CH: Erzeuger- und Importpreise November m/m 0,10 0,20
15.12. 10:30 GB: Verbraucherpreise November y/y 0,10 -0,10
15.12. 10:30 GB: Einzelhandelspreise November y/y 0,90 0,70
15.12. 10:30 GB: Hauspreisindex Oktober y/y 6,40 6,10
15.12. 11:00 DE: ZEW-Konjunkturerwartungen Dezember 15,20 10,40
15.12. 11:00 EWU: ZEW-Konjunkturerwartungen Dezember 34,40 28,30
15.12. 14:30 US: Empire State Manufacturing Index Dezember -5,70 -10,70
15.12. 14:30 US: Verbraucherpreise November m/m 0,20
16.12. 09:00 FR: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Dezember (vorläufig) 50,60 50,60
16.12. 09:00 FR: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Dezember (vorläufig) 50,70 51,00
16.12. 09:30 DE: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Dezember (vorläufig) 52,70 52,90
16.12. 09:30 DE: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Dezember (vorläufig) 55,50 55,60
16.12. 10:00 EWU: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Dezember (vorläufig) 52,80 52,80
16.12. 10:00 EWU: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Dezember (vorläufig) 54,00 54,20
16.12. 10:00 EWU: Einkaufsmanagerindex Composite Dezember (vorläufig) 54,20 54,20
16.12. 11:00 EWU: Verbraucherpreise November (endgültig) y/y 0,10 0,10
16.12. 15:45 US: Markit Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Dezember (vorläufig) 52,70 52,80
16.12. 16:30 US: Rohöllagerbestände in Mio Barrel w/w -3,60
16.12. 20:00 US: Fed-Zinsentscheid 0,50 0,25
16.12. 20:00 US: Fed-Projektionen zu Zinsen, Wachstum, Inflation und Arbeitslosenquote
16.12. 20:30 US: Fed-Pressekonferenz
17.12. 10:00 DE: ifo-Geschäftslage Dezember 113,40 113,40
17.12. 10:00 DE: ifo-Geschäftserwartungen Dezember 105,00 104,70
17.12. 14:30 US: Philadelphia-Fed-Index Dezember 2,10 1,90
18.12. 00:00 JP: Bekanntgabe der geldpolitischen Entscheidungen
18.12. 10:00 Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel
18.12. 12:00 DE: Verfall Futures und Optionen (STOXX-Familie)
18.12. 13:00 DE: Verfall Indexfutures und -optionen (Eurex)
18.12. 17:30 DE: Verfall Aktienoptionen (Eurex)
18.12. 19:00 Rede von Richmond Fed Chef Lacker in Charlotte
18.12. 21:30 US: Commitments of Traders (COT) Report

Ganz rechts die Zahlen des letzten Werts. Links daneben (zweite von rechts) die aktuellen Erwartungen der Analysten.


 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *