Der Bärenmarkt und die sieben Phasen

Im Vorwort der dritten Ausgabe des Börsen-Barometers bin ich auf die Phasen eines Bärenmarktes eingegangen. Vorab will ich gleich anmerken: Ich habe nichts vorhergesehen und alles kann, nichts muss. Wir sind eine Woche später etwas schlauer und haben ein weiteres Stück des Puzzles Bärenmarkt aufgedeckt.

Vorherige Woche war die Situation wie folgt. Es war Donnerstag um ca. 9:30 Uhr und der SP500 stand auf Messers schneide kurz vor 1.810 Punkten. Es gab schlechte Nachrichten zum amerikanischen Arbeitsmarkt und die Richtung für die kommenden Tage war eigentlich klar vorgegeben: Short! An diesem Punkt hatte ich den Markt, bezogen auf die Phasen eines Bärenmarktes, in der vierten Phase gesehen. Die 7 Phasen und das entsprechende Vorwort ist folgend nochmal aufgeführt:

 

„Trotz allem blieben die Kursanstiege in einem kaum nennenswerten Bereich. Der Druck auf den Unterstützungsbereich blieb somit vorhanden und ein Bruch dieses wichtigen Bereiches kam schlussendlich nicht überraschend. Es bleibt die Erkenntnis – Wir haben nur eine Bärenmarktrally gesehen und der Verkaufsdruck bleibt. Der Begriff des Bärenmarktes fällt aktuell häufiger in den Medien und der Bullenmarkt scheint auf breiter Front für beendet erklärt. Bleibt die Frage, wie lange solch ein Bärenmarkt andauert und in welcher Phase befinden wir uns derzeit?

Markthistoriker weisen darauf hin, dass „Bear Markets“ in der Vergangenheit durch 7 Phasen gekennzeichnet waren:

1) Ende des Wahnsinns: Nach massiven Übertreibungen beginnen die Kurse zu bröckeln.

2) Leugnen der Realität: Nach einer ersten massiven Korrektur wurde die Realität hinweggeredet. „Es handelt sich nur um eine temporäre Korrektur“. Falsch.

3) Hoffnung: Glauben an die Notenbank:

In diesem Bärenmarkt muss man bekanntlich zwischen FED und EZB unterscheiden, da sich Europa und USA in verschiedenen geldpolitischen Zyklen befinden. Von der EZB wurden weitere geldpolitische Maßnahmen (Ausweitung des Anleihekaufprogramms) erwartet. Von der FED hat man eine Straffung der lockeren Geldpolitik und eine Zinserhöhung erwartet. Die Zinserhöhung wurde schlussendlich auch umgesetzt aber nach der einhelligen Marktmeinung erfolgte diese Erhöhung zu spät.

4) Erkenntnis:

Als Erkenntnis lassen sich beispielsweise die schwachen amerikanischen Arbeitsmarktdaten aus Januar heranziehen. Dies ist gleichbedeutend mit der Erkenntnis, dass der Zauber der Notenbanken vielleicht an Wirkung verloren hat. Trotz sämtlicher gezogener Register bleibt ein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung aus. Was bleiben für Möglichkeiten?

5) Aufflammender Optimismus: Die Meinung, dass das schlimmste vorbei sei, beginnt sich rasch im Markt durchzusetzen.

Der aufflammende Optimismus ist etwas, dass wir bisher am Markt noch nicht gesehen haben. Als bestes Beispiel hierfür dient der kümmerliche Rebound im Januar. Wirklicher Optimismus ist dabei sicher nicht aufgekommen.

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass uns die Erkenntnis-Phase zunächst bis an den Unterstützungsbereich bei 8.300 Punkten bringt. An dieser Marke sollte ein Kursniveau erreicht sein, welches ein gutes Fundament für aufflammenden Optimismus bietet.

6) Liquidation: Letzte massive Verkaufsphase nachdem klar wird, dass eine Erholung länger dauern wird als anfänglich gedacht.

7) Kapitulation: Auf dem Boden totaler Verzweiflung und Verabscheuung für Aktien kann sich ein neuer Bullenmarkt entwickeln.

Denkbar ist auch, dass wir nach Phase 4) direkt in Phase 6) und 7) übergehen. Das wird aber von den kommenden Wochen und der Marke 8.300 abhängen.

Was am Ende bleibt ist die Erkenntnis, dass eine Kapitulation bisher nicht erfolgt ist und uns das dicke Ende vermutlich noch bevorsteht. In diesen Phasen bewährt sich regelmäßig die Seitenlinie und eine hohe Cashquote. Nachhaltige Kurssteigerungen wird man wohl zunächst nicht verpassen.“

 

Eine Woche später müssen wir uns die Frage stellen, ob wir uns derzeit im flammenden Optimismus befinden und wie lange diese Phase noch anhalten kann. Im Vergleich zum Jahr 2008 ist der Kursverlauf ziemlich identisch. Demnach würde uns die letzte massive Verkaufsphase noch bevorstehen.

Ein Auslassen der Phase 5) wie oben noch beschrieben, sollte nach der Rally der vergangenen Tage wohl vom Tisch sein. Vielmehr wird sich jetzt die Frage gestellt „Ist der Bärenmarkt bereits vorbei?“ Dafür genügt ein Blick auf die Fakten, denn wirklich etwas geändert hat sich in der vergangenen Woche nicht. Die Notenbanken bzw. die Politik hat nicht gehandelt. Wir haben bisher nur Worte und keine Taten. Keine positiven Arbeitsmarktdaten und keine plötzliche Aufhellung der Weltwirtschaft. Warum sollte der Bärenmarkt jetzt also vorbei sein?

Darüber sollte die kommende Woche Aufschluss geben. Ein Rücklauf scheint durchaus realistisch und sollte einkalkuliert werden. Jetzt noch auf den Zug aufzuspringen kann gefährlich sein, da niemand weiß wie nachhaltig die aktuelle Rally ist. Dazu werden wir erst mehr wissen wenn wir den Rücklauf gesehen haben. Fallen wir unter 1.810 Punkten und steigen in Phase 6) und 7) ein oder setzt der Markt ein höheres Tief als 1.810 und probt einen festen Boden? Vielleicht wissen in einer Woche wieder mehr. Bis dahin gilt, Pulver trocken halten. Zumindest das hat sich nicht geändert.

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