Anlagestrategie

Es gibt eine Vielzahl von Finanzprodukten, die sich hinsichtlich Zinsen, Risiko, Flexibilität und Laufzeit deutlich unterscheiden.

Einen maßgeblichen Anteil bei der Entscheidung über die Anlagestrategie spielt der Anlagehorizont.

Bei einem langfristigen Anlagehorizont geht bekanntlich kein Weg am Aktienmarkt vorbei.

Ist der Anlagehorizont begrenzt, stellt der Aktienmarkt aufgrund seiner Volatilität nicht die erste Alternative dar. Aktienkurse werden kurz- bis mittelfristig von unvorhersehbaren Ereignissen bestimmt. Terroranschläge, Notenbankäußerungen, Ölpreisschocks, geopolitische Konflikte, Währungskrisen sowie unprognostizierbares Anlegerverhalten können das Börsengeschehen massiv beeinflussen. Fundamentaldaten und wirtschaftliche Perspektiven geraten dabei regelmäßig aus dem Blickfeld der Marktteilnehmer.

Bereits Newton musste sich nach dem Platzen der Südseeblase eingestehen, dass er die Bewegung eines Himmelskörpers messen könne, aber nicht die menschliche Dummheit.

 

„I can calculate the movement of stars, but not the madness of men“

 

Daraus wird ersichtlich, dass die Gier an der Börse kein guter Ratgeber ist. Wer aber langfristig eine gute Rendite erwirtschaften möchte und keinen begrenzten Anlagehorizont hat, findet an den Aktienmärkten gute Chancen. Dies verdeutlicht auch die folgende Grafik:

 

performanceQuelle: Statistisches Bundesamt

 

Aktien gehören definitiv zu den Anlageformen, die in der gesamten Historie der Märkte im Durchschnitt betrachtet die beste Rendite vorweisen können. Anleger können bei zahlreichen Aktientiteln nicht nur von eventuellen Kursgewinnen, sondern durchaus ebenso von einer guten Dividendenrendite profitieren.

Für den langfristigen Erfolg an den Aktienmärkten gibt es mittlerweile unzählige Strategien und Produkte. Ob ein direktes Investment in Einzelaktien oder regelmäßiges Sparen über Aktienfonds oder ETF´s, für jeden Anleger ist etwas dabei.

Die Anlage in Fonds oder ETF´s ist dabei die etwas leichtere Variante, da ein Großteil der Verantwortung abgegeben wird. Bei einem Fonds entscheidet der Fondsmanager, in welche Aktien oder Branchen investiert wird. Bei ETF´s entscheidet man sich beispielsweise für eine bestimmte Branche oder Region und folgt der Annahme, dass der Markt regelmäßig die beste Rendite erwirtschaftet.

Entschließt man sich, selber die Entscheidung zu treffen in welche Aktien investiert wird, sieht man sich unterschiedlichsten Investmentstrategien gegenüber.

Hier hat der Anleger die Qual der Wahl ob eine Value- oder Growth-Strategie verfolgt wird. Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Anlageentscheidung anhand der Charttechnischen-Analyse oder der Sentiment-Analyse zu treffen.

Welche Strategie nun am besten ist und langfristig den größten Erfolg verspricht, kann für die Zukunft niemals mit einer 100%igen Gewissheit vorausgesagt werden. Es bleibt lediglich der Blick in die Vergangenheit und die Erkenntnis, welche Strategie sich in der Vergangenheit am besten geschlagen hat.

Dennoch unterliegen die Finanzmärkte einem permanenten Wandel. Stichwort „Algos und High Frequency Trading“. Das Marktverhalten kann daher in Zukunft ein ganz anderes sein als noch in der Vergangenheit.

 

Daher sind wir überzeugt davon, dass es bei der Beurteilung der Marktsituation oder Analyse einer Einzelaktie ratsam ist, sich aus dem gesamten Instrumentarium der Analysemethoden zu bedienen. Über Fundamentaldaten und Charttechnik bis zum Sentiment sollte alles in die Anlageentscheidung miteinbezogen werden. Sofern dann mehrere Parameter in eine Richtung weisen, kann eine entsprechende Anlageentscheidung getroffen werden. Das Risiko einer falschen Entscheidung wird durch die Hinzuziehung mehrerer Indikatoren sicher nicht auf 0% gesenkt, aber man erhält zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine erfolgversprechende Entscheidung.

 

Strategien kombinieren – Eine kluge Entscheidung oder Ausrede für fehlende Konstanz?

 

Grundsätzlich hat es sich an den Finanzmärkten als klug herausgestellt, eine Strategie konstant zu verfolgen und sich innerhalb dieser Strategie permanent weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Die Value-Strategie hat sich über Jahrzehnte als eine konstante und erfolgreiche Strategie herauskristallisiert. Hierfür gibt es verschiedenste Studien wie z.B. von Roger Ibottson[1], Fluck, Malkiel und Quandt[2] oder von Lakonishok, Vishny und Shleifer.[3]

 

Warum also die Value-Strategie nicht über Jahrzehnte umsetzen und verfolgen?

 

Der Value-Ansatz soll konsequenterweise eine wesentliche Rolle bei der Anlagestrategie und der Analyse von Einzeltiteln einnehmen. So kann für jedes Portfolio ein solides Fundament geschaffen werden. Dieses Fundament sorgt für die nötige Stabilität und sachliche, rationale Entscheidungen in schwierigen Marktphasen.

Dennoch gab es auch immer wieder Marktphasen, in denen der Value-Ansatz keine Outperformance gegenüber anderen Strategien erzielen konnte.

Value-MomentumRegelmäßig in Konkurrenz zueinander stehen die Growth- und die Value Aktien. Der Growth-Ansatz steht dabei für Wachstums-Titel wie Facebook, Google oder Amazon. In den Value-Bereich lassen sich hingegen Unternehmen wie Microsoft, P&C oder Johnson & Johnson einordnen.

Seit dem Jahr 2000 haben sich die Value-Aktien bzw. der MSCI World Value besser entwickelt als der MSCI World Growth. Dies bestätigt grundsätzlich die oben gemachte Aussage, dass die Value-Strategie historisch gesehen eine überdurchschnittliche Performance generiert.

Betrachtet man allerdings nur die vergangen 8 Jahre, haben sich die Growth-Titel besser geschlagen als die Konkurrenz aus dem Value-Segment.

Es ist also nicht ratsam, das eine oder das andere von vornherein auszuschließen. Stattdessen erscheint es sinnvoller, das Unternehmen im Vergleich zu seiner direkten Konkurrenz zu betrachten und folgendes zu analysieren.

  • Hat das Unternehmen einen absoluten Marktvorteil gegenüber der Konkurrenz?
  • Ist das Unternehmen im Vergleich zu seiner Konkurrenz fair bewertet?
  • Verfügt das Unternehmen über ein entsprechendes Momentum in der derzeitigen Marktsituation?

Darüber hinaus sollten natürlich auch die Perspektiven der Branche sowie die makroökonomische Situation miteinbezogen werden. Ein Unternehmen kann zwar Branchenführer sein, aber wenn die Branche keine Perspektive hat, wird früher oder später auch das beste Unternehmen unter dem Druck des Marktes zusammenbrechen.

 

Warum das Momentum einbeziehen wenn ich langfristig vom Unternehmen überzeugt bin?

 

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass starke Unternehmen, die mit einem günstigen Marktpreis bewertet sind, früher oder später wieder zu einem fairen Marktpreis zurückkehren.

Dass die Rückkehr zu einem fairen Marktpreis erfolgt, kann aber keinesfalls garantiert werden. Sofern dieses Szenario nicht einsetzt, könnte dies auf folgende Punkte zurückzuführen sein:

  1. Die eigene Analyse ist nicht zutreffend und der Markt liegt mit einer Minderung des Marktpreises richtig
  2. Die eigene Analyse ist zutreffend, aber die Geschäftsentwicklung des Unternehmens passt sich zukünftig dem Marktpreis an.
  3. Alternative: Der Markt braucht eine relativ lange Zeitdauer um zu einem fairen Marktpreis zurückzukehren.

 

Value_Traps

 

In der Regel werden qualitativ starke Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche einen Marktvorteil haben, wieder zu einer fairen Bewertung zurückkehren. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel und um diese Ausnahmen zu vermeiden sollte das entsprechende Momentum abgewartet werden.

Durch die Timing-Komponente unter Zuhilfenahme des Momentums sowie der Charttechnik können insbesondere Value Late Winners und Value Traps ausselektiert werden.

Dieser Ansatz bietet unter Anderem zwei Vorteile. Zum einen kann das Risiko im Portfolio minimiert werden und zum anderen sollte die Selektion zu einer verbesserten Performance führen.


 

[1] Decile Portfolios of the New York Stock Exchange, 1967-1984, Arbeitspapier Yale School Management

[2] The Predictability of Stock Returns: A Cross-Sectional Simulation, Fluck, Malkiel und Quandt, Journal of Economics and Statistics, Mai 1997

[3] Contrarian Investment, Exploration and Risk, Lakonishok, Vishny und Shleifer, Arbeitspapier Nr. 4360, National Bureau of Economic Research, Mai 1993


 

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